Was soll ich malen?

Themavorgabe

Kindergartenkinder und Schulkinder bekommen für gewöhnlich ein Thema vorgesetzt, wenn sie etwas malen sollen: "Heute malen wir einen Fisch..." Dies motiviert Kinder meistens nicht, da sie selbst am liebsten in eine Rolle schlüpfen und gedanklich etwas inszenieren und es aufs Papier bringen. Die Phantasie der Kinder ist in jungen Jahren geradezu üppig und eignet sich hervorragend dafür. Welche große Chance und Spiel nehmen wir ihnen durch die Vorgaben! Das vorgesetzte Thema löst keine Begeisterung aus, weil sich das Kind damit nicht identifizieren kann. Bei Erwachsenen verhält es sich auch ähnlich: wenn ich zum Beispiel jemandem, der sich für Sport, Baggersee und Motorrad interessiert, in eine Diskussion über eine bestimmte Maschenart beim Häkeln einwickeln möchte, werde ich lange Zeit nach einer passenden Strategie suchen müssen!

Malvorlage / Malhefte

Besonders kritisch bin ich Malvorlagen / Malhefte gegenüber, weil die Kreativität des Kindes keinen Ausdruck mehr finden kann. Das Thema ist vorgegeben, die Form und Größe ebenfalls und manchmal sogar die Farbauswahl. Das Malen verwandelt sich in dem Fall in eine mechanische Ausfüllbeschäftigung, die keinem Spaß macht und mit Malen nichts mehr zu tun hat. Eltern greifen jedoch gern zu Malvorlagen, weil sie denken, daß das Kind damit malen lernt. Leider trifft diese Annahme nicht zu. Im Kind ist ein System angelegt, die Formulation , das dazu führt, daß das Kind nach und nach aus sich heraus die Grundlagen des Malens erlernt, wenn Erwachsene nicht durch äußere Maßnahmen (wie Malvorlagen, Malhefte, Malunterricht, Kunsterziehung...) eingreifen.

Begeisterung als Motor

Wenn dem Kind wie im Malspiel kein Malthema vorgeschrieben wird, kann es ohne Hemmung und sogar mit Begeisterung beginnen zu malen und sich in sein Bild zu vertiefen. Automatisch fängt ein Spiel an und dem Kind macht es Freude. Im Malort Ulm werden genau diese Voraussetzungen geschaffen, um die Kreativität des Kindes Raum zu geben. Dabei geht es nicht um das Endergebnis, also um das Bild, sondern um das Spiel hier und jetzt. Beim Malspiel verbindet sich das Kind mit sich selbst und spürt sich. Es erfährt die eigene Kompetenz, etwas Großartiges zu erschaffen. Dadurch wird sein Selbstbewußtsein gestärkt. Weil das Bild an sich nicht im Vordergrund steht, bleibt es im Archiv des Malorts nach der Stunde.

Was soll ich malen?

Die Frage wird im Malsspiel am Anfang oft gestellt, weil die Kinder und Erwachsenen verlernt haben, spontan zu malen. Sie erstellen Kunstwerke und wollen damit glänzen. Deshalb soll zunächst genau das Malthema definiert sein. Im Malspiel lernen sie von dieser Konditionierung wieder frei zu werden. Es braucht einige Zeit, bis es sich wieder umstellt und versteht, daß es eigene Wünsche und Phantasie wieder äußern darf. Ich ermutige die Kinder, trotzdem ein Blatt aufzuhängen, eine Farbe mit dem Pinsel zu nehmen und zu beginnen. Kaum entsteht die erste Spur, fließt der Strom wieder. Danach läuft alles von selbst. Das gleiche Phänomen ist bei Erwachsenen zu beobachten.
Die Frage wird im Malsspiel am Anfang oft gestellt, weil die Kinder und Erwachsenen verlernt haben, spontan zu malen. Sie erstellen Kunstwerke und wollen damit glänzen. Deshalb soll zunächst genau das Malthema definiert sein. Im Malspiel lernen sie von dieser Konditionierung wieder frei zu werden.

"Jeder sollte die Wichtigkeit des Spielens nicht unterschätzen, sollte sich bewusst sein, dass alles Wesentliche im Spiel enthalten ist." Arno Stern

"Mit einem Kind zu spielen, ist für ihn eine wichtige Beschäftigung. Er beteiligt sich nicht nebenbei, er widmet sich dem Spiel ganz und ist dabei sehr erfinderisch. Er und das Kind sind auf gleicher Augenhöhe, teilen dieselbe Zeitlosigkeit". Arno Stern