Wie entsteht Kreativität?

Der Ursprung von Kreativität

Von der Kreativität und vom Para-Sympathikus

Kreativ zu sein ist ein Zustand, der spontan entsteht, wenn bestimmte Rahmenbedingungen zusammenkommen.
Oft erwarten Unternehmer und Auftragsgeber, dass ein Projekt mit Kreativität ausgeführt wird und Eltern, dass ihr Kind eine Aufgabe kreativ löst. Dies ist leider eine sehr verbreitete Illusion, die die Mitarbeiter und die Kinder demotiviert und frustriert. Warum?
Weil eine Erwartungshaltung bereits Kreativität ausschließt. Die Person wird zum Objekt der Erwartung gemacht. Da sind sich Entwicklungsspychologe Prof. Neufeld und Hirnforscher Prof. Hüther einig: so kann es nichts werden mit der Kreativität.

Sobald Bewertung und Konsequenz zusammentreffen, schließen sie echtes Spiel aus. Die Kreativität ist sozusagen ein Nebenprodukt von echtem Spiel. Wenn sich jemand spontan mit einer Sache mit Begeisterung befasst (es muss nicht unbedingt malen sein) und dabei ohne Note, Bewertung und Erwartung in die Materie eintaucht, ohne irgendein Ziel innerhalb eines bestimmten Zeitraumes erreichen zu müssen und zu wollen, sondern einfach so, wird im Zustand des echten Spiels und der Geborgenheit im Gehirn ein Areal aktiviert, der Para-Sympatikus heißt. Dort befinden sich die "Hänschen klein"-Energie, das In-Sich-Ruhen, die Zufriedenheit, das Sättigungsgefühl und auch die Kreativität, die nun zum Ausdruck kommen können. Und genau diese Rahmenbedingungen können Sie bei dem Kurs "Das Malspiel" im Malort vorfinden.

Wie kam Arno Stern zum Malspiel?

Arno Stern, der das Malspiel erfunden hat, bekam nach dem zweiten Weltkrieg seine erste Arbeitsstelle in Paris. Dort betreute er Waisenkinder in einem Internat während der Mittagspause. Sie malten an der Wand und bekamen von Arno Stern keine Vorgaben darüber, was sie malen sollten. Das durften sie selbst entscheiden. Sie wurden von ihm auch nicht unterrichtet. Nach der Malstunde verblieben die Bilder im Malort, weil die Kinder nicht von ihren Eltern abgeholt wurden. So sind völlig unbeabsichtigt die notwendigen Rahmenbedingungen für echtes Spiel und Kreativität entstanden. Arno Stern fiel es damals auf, dass die Bilder "seiner" Kinder ganz anders waren, als die von Kindergarten- oder Schulkinder. Seine Forschungsarbeiten ergaben, dass es an den besonderen Bedingungen des Malspiels lag.

Die Spur

Arno Stern verwendet sehr gern den Begriff "Spur", den er im Zusammenhang mit dem Malspiel beprägt hat. Damit beschreibt er das, was jemand im Malspiel malt. Es handelt sich nicht um einen Malauftrag, wie man ihn von der Schule kennt. Dort gibt der Lehrer vor, was in der Malstunde von den Schülern ausgeführt werden soll. Beim Malspiel ist es nicht so. Dort ist es massgebend, dass der Malspieler selbst entscheidet, was er malt, weil es erst das echte Spiel ermöglicht. Das, was der Malspieler dann malt, kommt aus ihm heraus. Diese Spur ist einmalig und kann durch einen Auftrag nicht entstehen.

Arno Stern spricht darüber, dass unser Leben wie ein Buch ist, dessen ersten Seiten fehlen. Tatächlich wissen wir bewusst nichts darüber, wie unser Leben in unseren ersten Lebensjahren war. Aber diese Information wird nicht gelöscht. Sie ist uns bloß nicht mehr bewusst, kommt jedoch beim Malspiel aufgrund der geschützten Atmosphäre erstmalig zum Ausdruck. Genau das ist die "Spur". Somit vervollständigt sich unser Buch des Lebens beim Malspiel. So erleben es auch die Teilnehmer: das Malspiel stärkt, bringt Entwicklung und Reife, Freude und Potentialentfaltung... und ganz nebenbei Kreativität hervor.

"Kinder sollen das Leben ernst nehmen, sagt man. Dabei sollte gerade das Spielen ernst genommen werden." Arno Stern